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Menschen

An dieser Stelle präsentieren wir Porträts von Mitarbeitern und Menschen, die eine besondere persönliche Verbindung zum Badezentrum Sindelfingen haben.

Peter Messer begleitet das Badezentrum seit der Eröffnung als Lehrling bis heute als Betriebsleiter

Der Mann der ersten Stunde
Nicht einmal der Albatros persönlich kam an Peter Messer vorbei. Als Michael Groß bei den Deutschen Meisterschaften Mitte der 80er Jahre zum Ausschwimmen ins Sindelfinger Freibadbecken stieg, verdunkelte sich der Himmel und die Miene des Manns am Beckenrand. Der Weltstar murrte, hatte aber keine Wahl und musste raus aus dem Becken. Geschichten wie diese hat der heutige Betriebsleiter reichlich zu erzählen. Kein Wunder – Peter Messer ist unterm Hallendach der Mann der ersten Stunde. Auf das Schlachtbeil hatte Peter Messer keine Lust. Dabei hätte er es vergleichsweise einfach haben können. Seinem Vater Rolf gehörte die gleichnamige Metzgerei in Weil der Stadt. In dessen Fußspuren wollte der 17-Jährige nach der mittleren Reife aber nicht treten.
Trotzdem hielt ihm der Vater die Steigbügel und half seinem Jungen in den beruflichen Sattel. Als Stammgast in der Klostergarten-Sauna schwitzte er samstags neben Walter Keitel. Dieser war Bäderleiter in Sindelfingen und suchte einen Lehrling. „Mein Vater hat mir das erzählt. Ich hab gleich Bücher gewälzt und nachgelesen, was so ein Schwimmmeistergehilfe alles macht“, erinnert sich Peter Messer zurück. Dann ging es schnell. Peter Messer schnappte zu, unterschrieb den Lehrvertrag und gehörte so als 17-Jähriger zur ersten Mannschaft im Sindelfinger Hallenbad.

Schneller als der Keitel erlaubt
Genau genommen war er sogar schneller, als der Keitel erlaubt. Eigentlich sollte nämlich ein Schornsteinfeger den ersten Sprung vom Turm ins nigelnagelneue Becken wagen. Aber das jungfräuliche Wasser lag einfach zu verlockend da. Zack und drin waren die jungen Wilden. „Walter Keitel hat uns ordentlich angefahren“, sagt Peter Messer, „wobei – ehrlich gesagt konnte der einem doch gar nie so richtig böse sein. Ich habe unheimlich gerne unter ihm gearbeitet.“ Es dauerte nicht lange, dann erlebte und prägte der Weil der Städter die ganz großen Sportler- und Massagezeiten in der Hohenzollernstraße. „Damals hatten wir eine florierende Sauna mit 15 Masseuren. Als einer der Saunameister erkrankte, schnupperte ich als Lehrling in die medizinische Abteilung hinein und war relativ schnell infiziert. Ich wusste, das wollte ich machen“, erinnert sich Peter Messer gerne zurück. Die Arbeit mit den Menschen lag ihm am Herzen, besonders die Fasern und Faszien der Sportphysiotherapie faszinierten. Das Klientel las sich wie die Referenzliste eines Sportfestes: Vor allem die Leichtathletik-Abteilung des VfL Sindelfingen schickte jede Menge große Namen auf Peter Messers Massagebank. Ulrike Sarvari, Jörg Vaihinger, Birgit Wolf oder Andrea Thomas schauten montags nach dem Training regelmäßig vorbei, ließen sich Muskelbündel und Lymphen kneten. Und mit dem Judoka Marc Meiling begab sich sogar ein echter Olympiamedaillen-Gewinner in seine Hände.


Die Spitzensportler: so zäh wie sensibel
„Alles zähe Athleten“, sagt Peter Messer, der aber auch die andere Seite der Spitzensportler kennenlernte: „Die meisten waren unheimlich sensibel, hörten genau in sich hinein und achteten deshalb auch auf alle möglichen Zwischentöne.“ Je höher die sportlichen Latten lagen, desto größer war der Leistungsdruck. Der Masseur als Seelendoktor – kein schiefes Bild: „Mein Antrieb war es, die Sportler fit zu machen oder geschmeidig zu halten. Aber genauso wichtig war es, einfach zuzuhören, wenn der Schuh mal drückt. Es ist eben nicht immer nur der körperliche Schmerz, der Probleme bereitet.“ Das wiederum ist den Sportlern nicht alleine vorbehalten. In Zeiten, in denen die Maichinger Waldsauna der einzige wirkliche Mitbewerber war und die Böblinger Therme, das Fildorado oder die Wellness-Landschaft des Möhringer SI-Zentrums noch nicht einmal auf dem Reißbrett existierten, war die Sauna voll. Männer und Frauen waren damals noch strikt getrennt, die Masseure bespielten die komplette Klaviatur der medizinischen Anwendungen von der Fußreflex- über die Unterwassermassage bis zur Lymphdrainage und verpassten den Gästen und Patienten in der Blütezeit alleine zwischen 80 und 100 Fango-Packungen – „pro Tag!“, sagt Peter Messer. Und dann kam das Kostendämpfungsgesetz. Die Hausärzte schrieben nur noch sechs statt zehn Massagen auf, verschrieben dann kein Fango mehr, keine heiße Rolle, keine Heißluft. Die Zeiten haben sich geändert, 2001 kam der Umbau und heute ist die Sauna samt Massage weitgehend in privater Hand.


Wahre Liebe rostet nicht – auch nicht am Wasser
Zeiten ändern sich, auch Peter Messer verändert sich, wurde nach verkürzter Lehre und bereits nach zwei Jahren Schwimmmeistergehilfe, packte nach dem Wehrdienst als Fallschirmjäger doch noch die Fleischerlehre drauf und kehrte nach einem Zwischenstopp im Metzgersladen im Breuningerland zurück auf seinen Weg. Auf der Massageschule in Ulm drückte er die Schulbank und wieder fremde Muskeln, ging für den praktischen Teil zuerst ins Sindelfinger Krankenhaus und dann zurück ins Badezentrum. Wahre Liebe rostet nicht, auch wenn reichlich Wasser im Spiel ist. Unter dem damaligen Sportamtsleiter Rudi Felger wurde er zum letzten Masseur, der oben im Bad einen Festvertrag unterschreibt. Die Karriere-Leiter ging es schnell nach oben bis zum Betriebsleiter. Die dafür erforderliche Meisterschule bestand er im Schnelldurchlauf, hatte beim Crashkurs in Duisburg in drei Monaten nur einen einzigen Tag frei und wusste hinterher umso besser, „was für unglaublich tolle Verhältnisse wir in Sindelfingen haben“. Ein paar Jahre lang war er Chef im Maichinger Bad, das ihm ans Herz wuchs und er schätzt – auch seitdem er zurück in der Hohenzollernstraße ist – nach all den Jahren heute noch immer seinen Job. Von der Kasse bis zur Aufsicht sind es im Winter 35 und im Sommer 50 Mitarbeiter, die seine Mannschaft bilden. Jeden Tag läuft Peter Messer durch den Betrieb und bezeichnet sich „als Mädchen für alles“ und kümmert sich um Personalprobleme, gibt Meldungen zu kaputten Lampen oder kalten Duschen weiter, koordiniert Badefrauen und Saunameister, Technik, Verwaltung oder Aufsicht. Manchmal fallen dem heute 56-Jährigen Anekdoten wie die von Michael Groß oder den jungen Wilden ein, die vor dem Schornsteinfeger im Sindelfinger Wasser waren. Dann lacht das Herz des Manns der ersten Stunde.


Jürgen Wegner - SZBZ

Reiner Schneider von der Schwimm-Abteilung des VfL Sindelfingen schwärmt vom Badezentrum

"Dafür musst du schon ins All fliegen"
In einer guten Trainingswoche spulte Reiner Schneider 60 Kilometer runter. Im Schnitt, so schätzt der Deutsche Meister von 2003 über die 100 Meter Brust, kam er auf 1000 Kilometer im Jahr und damit in seiner aktiven Karriere beim VfL Sindelfingen ungefähr auf 15000 Kilometer. Das macht unterm Strich etwa 300000 Bahnen im Badezentrum. Besser als der für den Leistungssport zuständige stellvertretende Abteilungsleiter weiß beim VfL wohl kaum einer, wie wichtig das Bad für die Sportler ist.

Welche Bedeutung hat das Hallenbad im Badezentrum für den Schwimmsport in Sindelfingen?
Reiner Schneider: "Das ist ziemlich einfach: Es ist essentiell. Ich komme aus Maichingen, konnte dort früher zum Training im Gartenhallenbad laufen. Für den Jugend- und Seniorensport ist die 25-Meter-Bahn in Ordnung. Aber als Leistungssportler musst du einfach auf die lange Bahn. Kein Wunder, dass wir so einen großen Zulauf haben. Aus ganz Baden-Württemberg kommen Sportler zu uns. Bis zum nächsten 50-Meter-Becken musst du lange fahren."

Wie lang denn?
Reiner Schneider: "Karlsruhe hat eins, Stuttgart will schon lange eins bauen. Mehr fällt mir gerade nicht ein."

Auch große Bahnen müssen sich rechnen. Wie steht es derzeit um die Schwimmabteilung?
Reiner Schneider: "Von den 1700 Mitgliedern sind von der Schwimmschule bis zu den Masters ein paar Hundert regelmäßig im Wasser."

Sind auch schon Nachfolger für die traditionell sehr erfolgreiche erste Mannschaft in Sicht?
Reiner Schneider: "Wir wollen wieder an alte Erfolge anknüpfen. Mit Chef-Trainer Peter Dlucik setzt sich wohl noch dieses Jahr eine Ikone zur Ruhe. Danach wollen wir mit einem neuen Trainer angreifen. Das wird eine spannende Aufgabe, schließlich hat sich die Schule verändert, der Sport verändert und die Uni verändert."

Abseits der vielen VfL-Athleten trainieren sehr viele Hobbysportler im Badezentrum. Was macht das Schwimmen eigentlich so attraktiv?
Reiner Schneider: "Ein effektiveres Fitnessprogramm als eine halbe Stunde schwimmen gibt es einfach nicht. Nicht umsonst spielen Wassertherapien in Rehazentren eine große Rolle. Wasser ist ein Heilmedium, Schwimmen schont die Gelenke, kräftigt und stärkt das Herz-Kreislauf-System ungemein. Und es gibt eine weitere Kompenente  das Tauchen. Für solch eine Freiheit musst du schon ins All fliegen."

Schwimmer, Taucher, was gibt es noch unterm Dach im Badezentrum?
Reiner Schneider: "Eine ganze Menge. Die Schwimmschule ist bekannt, die Wasserballer bauen sich neu auf, spielen wieder in der Oberliga und formen derzeit sogar eine Jugendmannschaft. So etwas kenne ich gar nicht, seitdem ich im Verein bin. Unter dem Trainer Franz Panzer ist das Springen zurückgekehrt. Dazu kommen unter anderem die Aqua-Fitness, die Triathleten oder der Behindertensport. Es ist also auch abseits des regulären Badebetriebs immer eine ganze Menge los."

Wie ist denn Ihr persönliches Verhältnis zum Badezentrum?
Reiner Schneider: "Ich mag das Bad. Das ist nicht einfach nur ein Loch im Boden mit Wasser drin. Die Decke mag für Rückenschwimmer zwar erst mal eine Katastrophe sein, weil man den Streben folgt und dann gegen die Leinen schwimmt. Aber ich habe dort oben so viel Zeit verbracht, auch so viele Erfolge gefeiert. Es ist ein unglaublich schönes Bad, uns verbindet eine sehr enge Freundschaft."


Jürgen Wegner - SZBZ

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